Nadja
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Reisebericht Korfu 2015

Korfu ist eine der schönsten Inseln im Mittelmeer! Basta! Nein, so einfach machen wir es uns nicht. Wir wollen euch mit Text und Bild beweisen, dass Korfu hingegen aller Gerüchte weder überlaufen noch völlig "touristifiziert" ist - zumindest im Oktober und November...

Korfu hat dem sonnenhungrigen Pauschaltouristen mehr zu bieten als dem naturverbundenen Individual-Touristen. Zumindest auf den ersten Blick. Denn egal ob ihr mit dem Flieger oder dem eigenen Auto nach Korfu reist - erst einmal strandet ihr in Korfu-Stadt. Das ist gar nicht so schlecht. Wenn ihr dann aber den Fehler macht und gen Süden den Hauptverkehrswegen folgt, dann haut es euch fast um - Hotels reihen sich hier an Pensionen und private Zimmer. Von lauschiger Zweisamkeit keine Spur!

Haltet ihr euch jedoch Richtung Norden und fahrt ein paar Autokilometer an Hotels und Bars vorbei, dann wird es bald idyllischer. Denn im Nordosten der Insel ist, nicht weit entfernt vom albanischen Festland,  im Herbst der Hund begraben. Habt ihr dann noch Boote auf dem Dach und den Plan in der Tasche, die nächsten Tage mit dem Kajak Korfu zu umrunden, so kann kaum noch etwas schief gehen...

Wir fahren mit unserem Auto bis nach Kalami (das ist im Nordosten Korfus - wir kennen uns schließlich aus). Hier gibt es einen kleinen Strand und einige wirklich nette Unterkünfte. Wir essen im White House zu abend - das ist ein sehr gutes Restaurant direkt am Wasser. Von hier schweift unser Blick über die gesamte Bucht, im Schein der Lampen tummeln sich Fische, ein kleines Fischerboot wiegt sich auf den Wellen - fast ein bisschen kitschig.

Wir taumeln zurück in unser Appartment - dank Ouzo und Krasi haben wir die Bettschwere schnell erreicht. Und am nächsten Morgen geht es schließlich ans Eingemachte. Wir müssen die Boote für eine Woche Seekajak-Urlaub beladen und am selben Tag noch gute zwanzig Kilometer schaffen. Klingt nicht gerade nach einem stressigen Programm.

Da isser - der nächste Morgen. Katzen haben sich auf unseren Kajaks ausgebreitet. Nach kurzem Kampf erobern wir sie zurück und dürfen mit dem Packen beginnen. Dürfen? Da sind wir nicht so sicher. Die pelzigen Belagerer beäugen uns aus sicherer Entfernung - Gott sei dank ahnen sie, dass wir stärker sind und unser Eigentum im Notfall mit unserem Paddel zu verteidigen wissen.

Das erste Einladen einer jeden Tour erweist sich immer als längerer Akt. Doch schließlich passt immer alles in die Boote, so auch diesmal. Wir können ablegen, Kurs Nord. Auf spiegelglatter See geht es dahin, kontinuierlich paddeln wir. Erst hinter Kassiopi machen wir eine ausgedehnte Mittagsrast und lassen uns von Nikos ordentlich verwöhnen - fritierte Auberginen, Saganaki-Cheese und ein Kafé Frappé machen zwar den Magen voll... irgendwie aber auch schläfrig.

Nach dem Dinner geht es weiter. Schon am frühen Nachmittag kommen wir an unserem Tagesziel an. Alle ziehen gut mit, wir haben eine ordentliche Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 6 km/h. Am Strand angekommen laden wir die Boote aus und starten ein kurzes aber effektives Sicherheits-Training. Wiedereinstieg bei allen: Check! Sehr gut. Beruhigt können wir zum gemütlichen Teil übergehen. Mia lecker Bira am Strand mit Blick auf das Wasser. Leben wie die Götter in Greco!

Zelt aufbauen, Abendessen, schlafen, träumen - gute Nacht Jimbob!

Der Morgen graut. In den Bergen ist es schwatt (jawohl, Korfu hat Berge, der höchste ist der Pantokrator mit knapp 900 Metern). Dicke Wolken hängen dort drinnen. Doch wir grinsen auf das offene Meer - denn in Richtung Norden sehen wir Albanien wie gezeichnet. Ganz klar ist die Luft, die Sonne zaubert ein unwikliches Licht über das Meer. Bei knapp 20 Grad packen wir nach einem "lecker Frühstück" (niederländisch: gutes Früstück) die Klamotten in die Boote und sausen los.

Heute haben wir die Mutter aller Tagesetappen vor uns. Im vergangenen Jahr haben wir knapp 35 Kilometer gefahren, mit einer Einkaufspause und einem ausgedehnten Mittagessen wird die Tageszeit dann gerade reichen, viele Reserven haben wir nicht. Schnell passieren wir den Norden Korfus. Die wirklich hässlichen Gegenden um Roda lassen wir links liegen, auch Sidari ist nicht außerordentlich schön. Hier gehen wir aber kurz einkaufen und essen Mittag im Restaurant am "Channel of Love".

Es folgt einer der beeindruckensten Teile Korfus. Das Kap Drastis mit seinen Sandsteinformationen - wow. Hier machen wir einige Fotos und staunen nicht schlecht über den Ausblick als wir um das nordwestlichste Kap Korfus kommen. Steilküste so weit das Auge reicht. Dazu Sonne und ein leicht welliges Meer.

Circa zehn Kilometer folgen wir den Kreidefelsen. Dann biegen wir ums Eck, der norwestlichste Punkt Korfus ist erreicht. Bei untergehender Sonne verlassen wir die Sandsteinküste und vor uns türmen sich die Granitsäulen der Westküste auf. Wir passieren den Ort Afionas und der Blick fällt auf die Felsformation, die unsere kleine "Double-Bay" beherbergt. Diese malerische Bucht wird von uns für die nächste Nacht okkupiert.

In der "Double Bay" stoßen wir auf sandburgenbauende Kinder und zwei Familien. Die gucken ein bisschen komisch als wir unsere Zelte aus den Booten räumen. Als wir uns bis auf die Badehose ausziehen und schwimmen gehen sind wir bald alleine. Die Kinder müssen wohl ins Bett. Gemütlich bauen wir auf und der Guide (in dem Fall wohl ich) verkündet den Aufbruch zur Taverne in dreißig Minuten. Nur gute fünfundvierzig Minuten geht es steil den Berg rauf und wir haben einen irren Blick über die Bucht von Agios Georgios. Alle sind sofort Feuer und Flamme und wandern mit.

The same procedure as every time: (sehr) gutes Essen, ein bisschen Krasi und einen Ouzo auf das Haus. Nur diesmal müssen wir noch den Berg runter zu unserer Bucht. Dank moderner mobil-laser-LED-Technik aber kein Problem. Der Weg ist erleuchtet und wir sind sicher am Strand. Und wir haben wohl Flut - zumindest merke ich gerade, dass ich mein Zelt nur fünfzig Zentimeter vom Wasser entfernt errichtet habe. Ich bugsiere mein Boot zwischen Wellen (5 cm hoch) und Zelt und hoffe auf wenig Sturm diese Nacht...

Der morgen beginnt... feucht. Aber nicht nass. Die Luftfeuchtigkeit direkt (am) im Meer ist sehr hoch. Trotzdem bin ich frohen Mutes, denn die Sonne geht schon auf. Ich nehme den Klappsparten und ziehe los. Bei bester Aussicht buddel ich ein Loch.

Ich komme zurück zum Zelt. Die (liebevoll) verrückte Andrea und ihr Christian (nicht ich) sind schon wieder schwimmen. Dabei steht die Sonne gerade erst in den Startlöchern. Ich esse ein Croissant (es ist aus der Tüte: nach Helge Schneider: Ein Industrie-Croissant).

Nach dem Frühstück packen wir ein. Alles ist noch ein wenig klamm. Die Idee des Tages: Diese Tagesetappe beenden bevor die Sonne untergeht, so können wir die Zelte trocknen und dann im trockenen Zelt schlafen. Wäre ich zwar nicht drauf gekommen, ist aber eine wirklich Gute (Idee).

Wir treffen die Freunde aus dem E-Kurs in Agios Georgios. Mit ihnen verbringen wir eine kurze Pause in einer kleinen Bucht kurz vor Paleokastritsa. Dann trennen wir uns zu Gunsten der trockenen Zelte wieder und setzten unseren Weg fort. Gott sei dank (mir fällt auf, dass ich Gott schon mehrmals in diesem Artikel erwähnt habe) können auch die größten Beführworter des Trockenzeltschlafens dem Scharm der Westküste nicht wiederstehen. Am weißen Strand legen wir an und gehen im azurblauen Meer schwimmen und schnorcheln. Es ist so schön an der Westküste. Ich esse einen Sesamriegel und bekomme einen Sonnenbrand.

Auf dem Weg zur nächsten Übernachtungs-Bucht passieren wir den (für mich) schönsten Teil der korfiotischen Küste. Kleine Kiesstrände vor atemberaubender Kulisse. Die Felswände stechen in den königsblauen Himmel, Grotten mit Fledermäusen gilt es zu besichtigen. Das Meer ist tiefschwarz bis karibisch-türkis.

Ein wenig Angst habe ich immer wenn wir in meine Lieblings-Bucht einlaufen. Denn ich kann mich nie so recht erinnern, wie groß die Bucht wirklich ist. Reicht der Platz für alle Zelte? Hat keiner Angst vor Steinschlag an der steilen Felswand? Doch diesmal ist die Bucht wieder ein Volltreffer. Alle schwärmen bis in die späten Abendstunden, wir smalltalken und lassen den Abend bei - naja Wein und Ouzo ausklingen. Aber nur ein Schlückchen Ouzo! Wirklich!

Diese Bucht ist ziemlich abgelegen. Nur über einen verdammt steilen Pfad oder über das Meer erreichbar. Aber deshalb ist sie ja auch so cool. Weniger entspannt ist der Wetterbericht. Er verspricht uns Sturm und Wellen für die nächsten Tage. Das klingt nach Abwettern. Wir können nur hoffen, dass es uns nicht diese Nacht schon erwischt.

Als wir aus den Federn kriechen bemerken wir den Wetterumschwung. Zwar ist es immer noch warm, doch der Himmel hat sich zugezogen. Wir laden entspannt ein und paddeln los.

Die See wird immer rauher. Der Wind frischt auf und wir entschließen, nach gut zehn Kilometern den Tag zu beenden. Wir sind in Agios Gordios (nicht Agios Georgios) und wir kennen das Hotel "Romantic Palace" schon vom letzten Jahr. Die Besitzer sind total nett und wir beschließen ein wenig Mittag zu machen. Nach dem Essen wird das Wetter nicht besser. Wir reservieren uns ein paar Zimmer und beschließen nachmittags noch einmal am großen Sandstrand anzugreifen. Erste Lektionen im Brandungssurfen vermitteln wir in Theorie und Praxis. Das Üben macht viel Spaß und wir unternehmen noch eine kleine Ausfahrt zum markanten Gordios-Fels, was uns bei den Wellen und dem Wind einiges abverlangt. Der Abend klingt entspannt aus, trotz der abgebrochenen Etappe haben alle ein Grinsen im Gesicht und die Stimmung ist wirklich gut!

Am nächsten Morgen bricht die Hölle über uns herein. Heroisch wie wir sind stürzen sich Lutz und ich in die Brandung. Es sah vom Strand wieder harmloser aus als aus der Paddler-Perspektive. Nachdem ich einige gute Runs hinlege und versuche mein Gesicht zu wahren, wird Lutz direkt von der ersten Welle ausgeleert. Mit ordentlich gebackenem Feta im Magen ist meine Motivation auf Stufe 2 (von 10), trotzdem fahre ich noch einmal raus. Ich versuche auch Lutz noch einmal zu motivieren. Doch außer eines peinlichen Facebook-Videos kommt nicht viel dabei rum. Wir beenden diesen Tag... vorerst. Denn am Nachmittag wird das Wetter freundlicher und wir können noch einmal mit Allen auf´s Wasser.

Der letzte Tag. Wir überlegen was wir tun. Und entscheiden uns für das einzig Richtige. Bei ordentlicher Brandung legen wir am Strand ab - vor dem Bug eine Tagesetappe. Wir wollen auf jeden Fall am Nachmittag zurück sein, ein Taxi nehmen und dann nach Korfu Stadt fahren. Bei hoher Dünung fahren wir ein Stück Richtung Süden. Beeindruckend ist die Brandung die auf dem rauen Felsen der Küste detoniert. Auch so kann es auf Korfu aussehen im Herbst. Wir paddeln bis nach Skala, weil die Brandung uns das Anlanden erschwert, machen wir auf dem Wasser eine feine Pause und drehen um.

Zurück in Agios Gordios widmen wir uns wieder der Brandung, legen noch ein paar beeindruckende Surfs aufs Pakett und verlassen völlig gestoked das Mittelmeer. Die Tour ist fast zu Ende, wir baggern kiloweise Sand aus den Booten, putzen ein wenig und rufen ein bequemes Taxi.

Alle fahren nach Korfu-Stadt. Das letzte Hotel "Bretagne" ist direkt am Flughafen. Doch noch haben wir nicht genug. Lutz und ich bringen die Fahrzeuge zum einzig wahren Parklpatz der Stadt, zum Hafen. Dann treffen wir uns mit allen, den Teilhemnern der Reise und den Teilnehmern des Einsteiger-Kurses, im besten Restaurant der Stadt. Genau, in dem mit dem unaussprechlichen Namen!

Nach einem hervorragendem Essen verabschieden wir uns. Wir treten den Weg zum Hafen an, die Anderen den zum Hotel. Das emsige Treiben in Korfu-Town ist der Hammer. Wir haben Samstag und halb Korfu ist auf der Straße. Die Cafés und Bars sind voll gestopft mit Leuten, die Stimmung könnte nicht besser sein. Zwischen alten Mauern und jungen Leuten taumeln wir freudentrunken zu unserem Wohnmobil... und fallen direkt unter dem Schild "parken im Hafengelände polizeilich verboten" in einen sanften Schlaf.

Yammas!